Garmin Velothon Berlin 2014- Meine härteste Herausforderung!

Wer meinen Blog regelmäßig liest, weiß das ich viele verrückte Dinge mache. Meine Ausdauer und Hartnäckigkeit kennen fast keine Grenzen. Umso überraschter war ich, das ich beim Garmin Velothon 2014 tatsächlich an meine Grenzen gelangt bin. Aber fangen wir vorne an:

Wie letztes Jahr angekündigt, wollte ich unbedingt wieder an den Start gehen. Die Strecke fand ich toll und die ganze Organisation hat mir gefallen. Also habe ich den Bedarf bei Christian angemeldet, wieder für das Team Garmin & Friends zu starten. Ich erkundigte mich in welchem Hotel Garmin dieses mal nächtigen würde und habe uns dort  ein Zimmer gebucht. David entschied sich gegen das Fliegen, also ging es mit dem Auto nach Berlin.

Der Hinweg lief gut: Keine 6 Stunden mit Pausen brauchten wir. Hotel schon bereit zum einchecken und im Zimmer lag mein Velothon Trikot. Perfekt.

 

Dennoch wollten wir zur Radmesse, auf einmal stand Regen auf der Wetterkarte und ich war nicht vorbereitet. Ich suchte nach einer leichten Regenjacke und hatte auch schnell eine gefunden ( die hab ich aber doch nicht getragen-fragt nicht).

David wollte noch zu Just Music und so fuhren wir mit S-Bahn und U-Bahn. Weil an dem Wochenende auch noch das DFB Pokalfinale in Berlin war, befanden sich überall Menschen in gelben oder roten Trikots. In einem S- Bahnhof übermannte mich die Platzangst. Puls hoch, Atemnot, Stress und Panik. Das hatte ich schon lange nicht mehr gehabt und ich war selbst sehr überrascht. Irgendwie schaffte David es mich zu beruhigen und wir fuhren noch zu Just Music, wo er sich DJ Equipment kaufen wollte. Während er stöberte nutze ich die Zeit um im Restaurant von Just Music eine Tomatensuppe und einen Chai zu geniessen. Mein Körper fand wieder zur Ruhe und wir traten gemütlich den Weg zum Hotel an.

Im Hotel traf ich auf Franzi, sie kannten wir noch vom letzten Jahr und ich freute mich sie zu sehen. Sie versorgte uns mit den letzten Infos und wir bereiteten uns auf die Pastaparty im Palais vor.

2 Busse brachten uns zur Pastaparty, wo wir wieder auf viele Bekannte trafen. Besonders freute ich mich Peter Schlickenrieder wiederzusehen. Vom Bundesradcontest wusste ich das auch ein Mädel aus Rheinland- Pfalz da sein würde und bei der Vorstellung der 5 Bestplazierten kam mir ein Dialekt doch sehr bekannt vor- hier musste ich noch mal nachfragen- aber erst später.

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Der Moderator machte wieder einen tollen Job und unsere Guides wurden auf der Bühne vorgestellt. Das gleiche Team wie im Vorjahr und die Stimmung was super. Ich begrüßte Peter und auch er meinte das bei Regen nicht die Zeit zählt sondern ein durchkommen ohne Sturz.

Noch während dem Essen setzte Starkregen ein – Mistkram!

Als der Hunger gestillt war wagte ich mich bei dem Herren mit dem bekannten Dialekt mal kurz nach zuhaken. In besten Hochdeutsch fragte ich nach ob es den sein könne ob er aus der Nähe von Kaiserslautern komme. Die Antwort war wie erwartet positiv- uns trennen nur 9 Kilometer Umgehungsstrasse und seine Frau Melanie arbeitet zu gar in meinem Heimatort. Ich outete mich mit meinem Originaldialekt. So klein ist die Welt.

David und ich nahmen den ersten Bus zurück zum Hotel. Ich bereitete alles im Zimmer vor und stellte den Wecker auf 5:30 Uhr. Abfahrt mit dem Rad sollte um 7:45 Uhr sein und ich wollte in Ruhe frühstücken.

Morgens erwartete mich graue Wolken, Regen, und kühle Temperaturen. Ich warf einfach mal alles aufs Bett was für den Tag in Frage kam.

 

Frühstück! Aus meinen ganzen Wettkämpfen habe ich mittlerweile die Erfahrung das ich einfache Kohlenhydrate am besten verwerte. Alles andere führt zu Magenkrämpfen und weiteren Problemen die ich hier nicht näher beschreiben möchte. Also gönnte ich mir Waffeln und Toast mit Butter und Honig.

Ich fragte noch mal beim Team von Garmin nach und erhielt noch Tipps die mich zeitweise auch etwas verwirrten.

Im Zimmer entschied ich mich die neue Velothon- Bib-Short zu tragen,  das Brooks Infiniti Wind Shirt und das Velothon Trikot. Radschuhe, Überschuhe, lange Radhandschuhe, Bufftuch- das sollte mein Outfit sein. Helmcover hatte ich vergessen.

Ich bereitete meine beiden 750 ml Flaschen vor mit Iso und einem Kohlehydratgetränk. 3 Isogels, 1 Banane und Taschentücher (ja immer) ins Trikot und Kaugummi in den Mund. Ich verabschiedete mich von David, der aufgrund der Wetterverhältnisse erst später nachkommen wollte.

In der Lobby erfuhr ich dann, das wir erst um 8:15 Uhr losradeln wollten und erhielt den Tipp einfach eine Duschhaube als Cover über den Helm zu ziehen.

Dann starteten wir und ich überprüfte dieses Mal direkt wo meine Kette war- denn Kette rechts ist hier Programm und letztes Jahr war ich hier ja ein wenig verpeilt.

Am Startblock angekommen, stellten wir uns noch unter um wenigstens jetzt noch trocken zu bleiben. Noch ein Gruppenbild mit Peter und die Zeit verging wie im Flug. Banane gemapft und noch mal das Dixie besucht. Immer wieder hörten wir vom Sprecher den Spruch: Erlebnis vor Ergebnis- gar nicht so unklug bei dem Wetter.

Garmin Live Track gestartet, Iphone wasserdicht verpackt und ab in den Startblock. Musik auf die Ohren: Let me entertain you und Tage wie dieser begleiteten uns an die Startlinie. Der Startschuß viel und ich war, wie letztes Jahr auch, hinten im Startblock. Ich wollte erst mal sehen wie das hier ablief, hatte ich ja letztes Jahr nicht mitbekommen. Kalt war es mir und so langsam musste ich meinen Takt finden.

Ich fuhr etwas auf und startete erste Überholmanöver. Kraft war da, mir ging es blendend und ich hatte ein Ziel: Alles geben.

Leider dauerte es nicht lange bis ich mich in einer großen Gruppe wiederfand und ich merkte direkt wie mein Puls anstieg und ich Panik bekam. Zurückfallen lassen wollte ich mich nicht, also volle Kraft voraus. So preschte ich mit 46 km/h nach vorne. Endlich wurde es mir auch warm. Schneller als gedacht fand ich mich auf dem Kopfsteinpflaster wieder-meine größte Angststelle bei regennasser Straße. Ich rief mir Peters Tipps zurück in den Kopf: Rollen lassen, keine Manöver, locker bleiben. Klappte auch gut, bis auf einmal die nächste Gruppe auf uns auffuhr aus dem Skoda-Startblock. Keine Rücksicht auf Verluste, das schien das Motto zu sein. Geschnitten wurde ich und ausgebremst auch. Tolle Aktion- echt- Männer Ihr müsst es echt nötig gehabt haben. Wahrscheinlich war ich einfach eine zu große Bedrohung.

Nach dem Kopfsteinpflaster sammeln und wieder Gas geben. Immer wieder blieb ich an kleinen Gruppen und immer wieder bekam ich Panik wenn diese Gruppen zu groß wurden. Manchmal preschte ich nach vorne raus oder ich lies mich nach hinten fallen. Bis Kilometer 60 verging die Zeit wie im Flug und mein Schnitt lag bei 37h/km. Wow- das konnte sich sehen lassen. Schnell mal was trinken und ein Gel öffnen.

Ab diesen Zeitpunkt war ich aber auch irgendwie allein- wo waren die alle? Vor mir lange nix, hinter mir auch nix zu hören?!? Na gut, es musste ja weiter gehen.Irgendwann rauschten die ersten aus Startblock C an mir vorbei- das ging so schnell das ich nicht beschleunigen und dran bleiben konnte, netterweise wurde ich dann vor einem Kreisel komplett ausgebremst, es war so knapp das ich fast gestürzt bin, konnte mich aber gerade noch fangen. Also wieder viel Kraft aufwenden um die Grundgeschwindigkeit aufzunehmen.

Irgendwann fand ich mich auf dem Autobahnstück wieder, auf dem letztes Jahr der Massensturz passiert war. Aber hier war ich ganz allein, ca 500m vor mir waren 2 weitere Fahrer. Eine mit dem gleichen Trikot wie ich, also aus dem Team Garmin & Friends. Ich versuchte mehr aus mir heraus zu holen. Kilometer 80 hatte ich passiert, aber der Regen und der eiskalte Gegenwind machten das hier zu einer Herausforderung der ich fast erlegen bin. Ich war auf einmal sauer, sauer auf mich, sauer auf das Wetter, sauer das ich an den anderen nicht hatte dran bleiben können.Nach einer gefühlten Ewigkeit im Motivationstief holten mich Fahrer aus dem C- Block ein und wir fuhren wieder in Wohngebiet. Plötzlich jubeln und mein Name: Caaaaarmen- huch? Gerade noch realisiert: Das war Nadin von www.eiswuerfelimschuh.wordpress.com.

Genau das habe ich gebraucht: Noch 30 Kilometer und mit neu gefundener Kraft ging es weiter..  Ich überholte einige, hängte mich an andere dran und schöpfte mit Isogel und etwas zu trinken neue Kraft.

Kilometer 100- Mitten in Berlin: Aua! Was war das? Mein Rücken machte was, was ich nicht kannte. Krämpfe im Rückenstrecker hauten mich fast vom Rad! Verdammt! Also kurz aufrichten und im Stehen fahren und zack- Krämpfe auf der Oberschenkelvorderseite. So wechselten sich eine Krämpfe nun ab und ich dachte daran abzubrechen. Dann kam mir der Sprecher wieder in den Sinn: Erlebnis vor Ergebnis! Letztes Gel und ein gefühlter großer Schluck aus der Flasche.

Also Geschwindigkeit raus und locker weiter pedaliert. So meisterte ich Meter für Meter und sah sogar mal was von Berlin, das war also letztes Jahr alles an mir vorbeigeflogen.

Selbst auf der Zielgeraden gab es keine Reserve mehr für mich um anzuziehen und ich war froh als ich endlich irgendwann absteigen konnte. Füße und Hände taub, so gab ich meinen Transponder zurück und erhielt meine Medallie. Eine Plastikplane zum umhängen und weiter zum Erdinger- Stand. Ich  hab mir Tee gewünscht oder auch gerne Glühbier.

David angerufen und dann erst mal gesucht wo die Ausgabe für meinen Beutel war. Das wussten nicht mal die Streckenposten???? Ich war sauer! Irgendwo haben wir dann einen Plan aufgetrieben wo es eingezeichnet war. Also Startbeutel geholt und ab zu den Umkleiden. Eigentlich wollte ich im Hotel baden, aber da unter Handschuhen und Radschuhen blau angelaufene Extremitäten auf mich warteten wagte ich mich doch ins Duschzelt.

Das war die beste Dusche meines Lebens. In regelmässigen Abständen kamen Sanitäterinnen vorbei um nach uns durchgefrorenen Mädels zu schauen. So langsam wurde mir warm. Raus zu David und dann den weiteren Verlauf absprechen. Er wollte mit der Bahn zurück und ich mit dem Rad. Garmin Edge 810 mmit Navigation gestartet und los gings.

Das war jetzt interessant: Auf Fußgängerwegen und an der Spree ging es zurück. Es lief auch alles gut, bis zu einer Unachtsamkeit von mir. Mein Hinterrad rutschte in die Schienen und Platsch lag ich mitten in Berlin auf der Straße. Danke hier an eine Frau die mir sofort zur Hilfe eilte. Aufgerappelt und weiter. So ein dummer Fehler! Nach 5 Minuten war ich dann am Hotel wo ich Christian traf- er wollte zurück zum VIP Bereich. Nachdem ich alle meine Sorgen bei ihm abgeladen hatte erreichte ich unser Hotelzimmer und lies mir eine Badewanne ein.

Leider verhagelte mir ein Anruf von zu Hause die Laune und ich wollte auf keinen Fall mehr zurück in den VIP  Bereich. Ich nutze  die Wanne und versuchte zu entspannen. David und ich stärkten uns im Hotel und die Karotten Ingwer Suppe wärmte mir die Seele und die Glückwünsche und Fotos von Nadin ließen die Schmerzen und Strapazen erst mal vergessen.

3h40min1sec- Meine Zielzeit und hier auch direkt das Versprechen das ich nächstes Jahr wieder da sein werde um schneller zu sein als 2013!

Dankeschön an Alle die das hier Möglich gemacht haben, besonders natürlich GArmin, ich hoffe wir sehen uns nächstes Jahr wieder und dann auch mit besserem Wetter 🙂

Fazit: Es geht härter als der Strongmanrun !

 

Urkunde

 

 

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von chiamh Veröffentlicht in Laufen

Ein Kommentar zu “Garmin Velothon Berlin 2014- Meine härteste Herausforderung!

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