24h in der grünen Hölle!

Rad am Ring wurde schon im Frühjahr als Event bei mir eingeplant. Mein Arbeitgeber sponsorte hier Trikot und Startplatz, und so starteten FUCHS EUROPE RACING TEAM 1 (8er Team) und FUCHS EUROPE RACING TEAM 2 (4er Team) am 07.09.2013 am Nürburgring.
Ich startete mit 3 Männern im 4er Team.
2 Parzellen bildeten unser „Zu Hause“. Spontan reisten wir Freitags Abends an, obwohl wir eigentlich erst Samstag morgens starten wollten.

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David wollte nicht schon um 4 Uhr aufstehen. Was wir nicht wussten: Um 4:00 Uhr früh machte die Nachbarparzelle immer noch Party und wir konnten nicht schlafen.
Um 8:00 Uhr war ich wieder fit und ein langer Tag stand an. Erste Vorbereitungen fürs Frühstück, Gruppenfoto als alle Teilnehmer da waren und der Start der Läufer waren schnell vorbei.
Eine Twitterbekannschaft wollte ich noch kennenlernen und so machte ich mich auf den Weg zu Kathi. Sie startete mit Ihrem Freund im 2er Team. Schnell gefunden und direkt als sehr sympathisch empfunden schnackte ich kurz bevor ich mich zurück auf den Weg zu meiner Parzelle machte.
Dort legte ich alles bereit was ich so brauchen würde, auch meinen Beutel zum Duschen packte ich und wartete auf meinen Einsatz. Als vierte sollte ich in die Grüne Hölle starten.
Man hatte mir viel erzählt und noch mehr Angst gemacht. Mein Training lief ja durch meine Nackenbeschwerden auch nicht sonderlich gut und so hoffte ich das beste.
Michael startete in die erste Runde, Stefan übernahm blitzschnell die zweite und Florian die dritte. Aufgeregt war ich, nervös auch  und wirklich ordentlich gegessen hatte ich seit 2 Tagen nicht.
Egal 25 Kilometer werde ich überleben.

Ich konnte auch leider die Flasche nicht im Fahren übernehmen, aber Florian übergab mir den Transponder in der Falsche im Stehen und ich fuhr los.

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Fast- denn David hatte auf dem Montageständer meine Gangschaltung überprüft und den schwersten Gang drin gelassen. Toller Start! Ich kämpfte also los.
Von meiner Parzelle D50 lief es super bis Kilometer 15. Ich fuhr rasend schnell bergab. Geschwindigkeiten bis 82 km/h gar kein Problem (in der Fuchsröhre hab ich dann auch kurz mal gebremst). Ich schaute zum ersten Mal auf ein Schild: Bergwerk. Hm- das konnte viel heißen: Geht es nun weiter bergab oder berghoch?!? Egal ich muss da durch.

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Es ging natürlich nach oben- ewig- immer nach oben. Wie eine Schlange zog der Strang aus Radfahrern seine Bahn. Keine Kraft verschenken. Ewig in meinem Kopf: Peter Schlickenrieder, der mir zurief das ich einen leichten Gang nehmen soll, das ich gleichmäßig treten soll und das ich ruhig atmen soll. Irgendwann war ich oben und hatte gerade einen kleinen Höhenflug kam schon der nächste Anstieg. Ein Schild habe ich nicht gesehen, aber die Steigung zwängte mich in den leichtesten Gang meiner Standard-Kompaktkurbel. Autschn!

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Ja das brannte schon ein wenig. Ich schaute gar nicht nach vorne und behielt nur die Radfahrer vor mir im Auge. Plötzlich wurde ich von der Seite von Wilfried angesprochen: Komm Carmen noch 250 Meter dann haben wir die hohe Acht. Aha! Das war sie also- die Hohe Acht. Ich bedankte mich bei Wilfried für die Info und lehnte das Angebot ab, mit ihm die Verpflegung oben in Anspruch zu nehmen. „Mein Team wartet auf mich!“ bekam er als Antwort, ab in den Wiegeschritt und schneller nach oben.

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Danach geht es gefühlt in Warp-Geschwindigkeit nach unten. Es folgten irgendwelche Karusselle und andere Schikanen, aber ich war in meinem Tunnel und nur bei mir.
Anscheinend wurden auch viele Fotos geschossen, das fiel mir aber erst im Dunkeln auf. Es begann zu regnen auf den letzten 4 Kilometern.
Nach 1:06 kam ich von der ersten Runde zurück in die Parzelle. Das sollte meine schnellste Runde bleiben.

Ich ging duschen und war aufgeregt, ich versuchte zu essen, aber nix wollte mir schmecken und mein Magen hatte mal wieder kapituliert. Ich versuchte zu entspannen- ging echt gar nicht. Ich machte wieder meine Ausrüstung für die nächste Runde bereit. Der Regen hatte sich mittlerweile eingeregnet.

Die zweite Runde war klatschnass. Ich merkte schon die Folgen der ersten Runde: Weniger Kraft in den Beinen und Müdigkeit im Kopf. Es wurde langsam dunkel und ich hatte die falschen Gläser in der Brille, weil ich daran nicht mehr gedacht habe. Hier war durch den Regen auch meine bergab Geschwindigkeit nicht mehr so hoch.

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Ich hatte Angst- Nässe und Dunkelheit waren zu viel auf einmal. Sobald es flach wurde trat ich dafür umso mehr rein. Das Bergwerk und die hohe Acht zogen sich alleine wie Kaugummi- irgendwie schienen in der zweiten Runde nicht so viele auf der Strecke zu sein.  Auf der hohen Acht kippte ein Mädel direkt vor mir um- ca 50m von der Spitze entfernt. Ausweichen war zu knapp, also musste ich runter vom Rad. Hab dann noch kurz geholfen, das kurze Stück geschoben und direkt wieder aufs Rad. Mein Nacken meldete sich nun auch. Mist! Und neue Hindernisse fanden sich ein: Kröten saßen überall auf der Strecke.

Im Lager angekommen ging Stefan direkt in seine dritte Runde.
Warm Duschen wollte ich- und da alle gesagt hatten die festen Duschen seien besser als die Container, pilgerte ich mit David dahin. Er sorgte sich rührend um mich.

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Leider waren diese Duschen nicht mehr heiß. Da viele Teilnehmer Duschen gingen waren die Wassertanks leer.
Auf jeden Fall nach der nächsten Runde in die mobilen Duschen, dort gab es einen Durchlauferhitzer und immer warmes Wasser. Ich versuchte wider etwas zu Essen. Kochte mir eine Suppe, aber auch das ging nicht an mich. Ich fühlte mich schlecht. Mein Magen hatte mal wieder resigniert und im 30 Minuten Takt pilgerte ich zur Toilette.
Egal. Für die nächste Runde wollte ich fit sein. Ab vor den Gasofen und aufwärmen. Kurz vor Mitternacht war es so weit- ich nahm den Transponder von Florian in empfang. Die Strecke sei an vielen Teilen nun trocken, war der Tipp den er mir mit auf die Strecke gab.
Die Strecke war zum größten Teil trocken. Die richtigen Brillengläser verhalfen mir auch zur Sicherheit.

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Nun konnte ich die ganzen Kröten und Feuersalamander von weitem sehen und daran vorbei radeln. Viele waren überfahren worden.
Hier konnte ich noch mal richtig Gas geben. Fuchsröhre fast im vollen Tempo- Bergwerk klappte noch, auf der hohen Acht passierte es: Hungerast! Loch im Bauch, Kraftlos und erschöpft stieg ich ab und musste schieben. In der Verpflegungsstelle, die ja nicht ohne Grund hier war, trank ich die beste Cola meines Lebens und der Kuchen schmeckte köstlich.Dann wieder aufs Rad zurück und zurück in die Parzelle gequält.

Mein Magen fand das alles gar nicht gut. Den Transponder an Stefan weitergegeben. Mit den Jungs abgeklärt das ich gerne die nächste Runde aussetzen würde, und ab unter die Dusche.
Ich bin so froh das ich in diese vierte Runde nicht gestartet bin. Melli aus dem 8er Team und Michael hatten die schwerste Runde vor der Unterbrechung des Rennens. Ich versuchte zu schlafen, aber mein Magen trieb mich immer wieder raus.So bekam ich den vollen Sturm mit. Wasser schoss aus den Abwasserkanälen an manchen Stellen senkrecht nach oben.

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David schlief- ruhig und fest- bis er wach wurde weil er fror. Ich schwitzte- wie immer- und versuchte ihn zu wärmen. Das hatte aber alles keinen Wert- also Umzug ins Auto.
Auch hier war für mich nicht an schlafen zu denken. Verdammt. und mein Nacken tat noch mehr weh.
Um 8:30 Uhr sollte das Rennen neu gestartet werden. Leider nicht für mich. Die grüne Hölle hatte mich geschafft. Ich entschuldigte mich bei den Jungs und wollte nur noch die Zieleinfahrt miterleben um danach nach Hause zu fahren.

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Also übernahm ich die Versorgung meines Teams mit warmen Getränken und Nahrung und half beim Trocknen der Kleidung. Wenigstens etwa. Zwischendurch überzeugte ich Florian noch von meinen Brooks Armwärmern und deren Qualität.
Zwei Runden hatte ich zum Garmin EDGE 810 auch die TomTom Multisport Uhr an ( die habe ich zu Testzwecken bis Mitte Oktober bei mir), leider verwehrt mir bisher die letztere die Herausgabe der Daten.
Zur Zieleinfahrt des Teams hatte ich mich nochmal aufs Rad geschwungen um mit meinem Team zu finishen.

Ja es war toll, ja es war hart! Aber im 4er Team bei schlechten Wetterbedingungen ist das hier eine Nummer zu groß für mich. Daher habe ich mich für nächstes Jahr im 8er Team gemeldet.
Das geht dann schon eher.

Wir sind übrigens Platz 59 von 600 geworden, wenn ich noch weiter mitgefahren wäre, wären wir bestimmt weiter hinten gelandet.

Hier nochmals Danke an die Firma FUCHS EUROPE SCHMIERSTOFFE SE, die uns dieses Event möglich gemacht hat.

Danke an mein Team, das so tapfer weitergefahren ist!
Danke auch an GARMIN für den Garmin EDGE 810, mein Team hatte mich, dank Live Track immer im Auge und meine Ankunft war für den nächsten planbar.
Und nochmal Danke an Brooks, dank der GTX Reihe hatte ich die ganze Zeit, wenn ich nicht auf dem Rad war, trockene Füße und mein Equilibrium Shirt hat mich nachts warm gehalten.

Lasst 2014 mal kommen…..

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von chiamh Veröffentlicht in Laufen

3 Kommentare zu “24h in der grünen Hölle!

  1. Ein 24h-Radrennen am Nürburgring – mir bleibt der Mund offen. Wow! Doppelt Wow! Einmal zur Veranstaltung und dann natürlich zu eurer bzw. deiner Leistung – Hut ab! Das liest sich so spannend und gleichzeitig anstrengend, ich habe da im Zeitraffer direkt mit dir mitgefiebert. Wirklich wirklich toll. Finde auch das Ergebnis bei der Teilnehmerzahl echt super! Das muss ein unglaubliches Erlebnis sein 🙂

    • Markus, das muss man echt mal erlebt haben.Die Stimmung bei der ganzen Veranstaltung ist Wahnsinn und in den Parzellen hilft jeder jedem.
      Nächstes Jahr dann im 8er Team und alles wird gut.

  2. Pingback: 2013: Vorbei und Unvergessen! | schlechteswettergibtesnicht

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