Garmin Velothon Berlin- ich komme wieder!

Erst mal ein riesengroßes Dankeschön an das Team von Garmin.
Hier hat einfach alles schon im Vorfeld gestimmt und man wurde tatkräftig von Franzi und Kathrin bei der Planung unterstützt.
Nach 8 Stunden (inklusive langer Pausen zum Beine vertreten) kamen wir in Berlin an.
Das Hotel, welches Garmin herausgesucht hat, ist wirklich mehr als perfekt. Innerhalb 20 Minuten kommt man hier zu Fuß zu den wichtigsten Punkten in Berlin und das nutzen wir am Freitag und Samstag auch.
Da ja wirklich immer etwas ist, war das auch an diesem Wochenende auch wieder so:
Meine Luftpumpe habe ich vergessen, und meine Airchamp hat wohl die Einstechnadel verloren ( Es war also nicht die falsche Kartusche sondern Materialschwund). Also mussten wir am Samstag morgen ja auf die Velothonmesse. Das war das Schlaraffenland für mich. Bei einem Stand fand ich auch sogleich eine Pumpe und lies mich bezüglich einer Satteltasche beraten. Beides habe ich gekauft.
Bei SKS (dem Hersteller der Airchamp) fragte ich nach ob ich die Nadel einzeln kaufen könne, die Antwort war nein, aber man bot mir an meine auszutauschen. Natürlich lag sie im Zimmer, aber ich wollte ja später eh noch Rad fahren.
Bei Camelbak gab es noch neue Trinkflaschen und ich fand noch eine günstige Sonnenbrille.
Kleines Sightseeing und zurück ins Hotel.
Dort sattelte ich mein Rad und fuhr los.
Ich wollte zuerst die Pumpe tauschen lassen. Das klappte Prima. Dann starteten auch schon die ersten Kids.
Die Stimmung war super und ich fotografierte das Treiben. Kinder die Ihr erstes Radrennen fahren, toll, besonders wenn man von kleinauf gerne dabei ist.

Foto(1)
Plötzlich eine Durchsage: Wir sollten den Bereich um den Tiergarten weitläufig räumen wegen eines Polizeieinsatzes. Natürlich ohne Panik! Keine Panik bedeutet ja immer das Gegenteil und schon ging das Geschrei los. Eltern suchten Ihre Kinder von denen einige schon im Startblock standen, andere fuhren noch Testrunden. Wir wurden von Polizisten vom Gelände begleitet und viele Wege wurden abgesperrt.
Also wieder zurück zum Hotel- hier hatte ich noch einen Fast Unfall und wollte nun auch nicht mehr fahren gehen.
So gönnte ich mir eine Dusche und machte mich für unser Carboloading zurecht.
Hier traf ich auf viele bekannte wie Nadin, Matthias, Jojo, Gunda, Peter und Christian (fast alle hatte ich letztes Jahr am Schliersee kennengelernt).
Endlich bekam auch die Organisation ein Gesicht: Christian von Garmin, oder besser CP, begrüßte uns und auch Dennis und Hannah aus dem Betreuungsteam waren da.
Es folgte ein herzliches Willkommen von Garmin mit leckeren Essen und Getränken und ein tolles Rahmenprogramm.
Es gab Tipps zum Training und Ernährung und auch „Stars und Sternchen“ wie Erik Zabel, , Dieter“Eule“ Rutenberg  Mike Kluge und natürlich Peter Schlickenrieder- dem Sunnyboy vom Schliersee. Ein kurzes Sicherheitsbriefing um Safer Cycling zu gewährleisten frischte nochmal gelesenes auf.
Natürlich habe ich wieder Cola-Kracher im Gepäck gehabt, die einzig wahre Wettkampfverpflegung.
David und ich verabschiedeten uns so gegen 22 Uhr, wir wollten zu Fuß zurück zum Hotel. Das Wetter war ja auch zu gut.
Im Zimmer war alles schon auf Wettkampf eingestellt. Nun musste ich nur noch schlafen. Das gelang mir auch irgendwann.
6:00 Wettkampfmorgen! Ahhhhhhhhh- Puls am Anschlag. Stress- Anziehen- Fertig machen- David wecken- Getränke auffüllen- David nochmal wecken- Satteltasche checken- David nochmal wecken- und dann endlich frühstücken. Dort waren Andi und Sebastian auch schon anzutreffen.
Dann wieder ins Zimmer alles fertig machen. Radschuhe an, Helm auf, Sonnenbrille an, Gels ins Trikot, Tempo ins Trikot (ja ich bin ein Mädchen ich habe meine Nase geputzt während der Fahrt), nochmal schnell auf die Toilette und dann Fahrrad abholen.
Das Fahrrad wurde am Vorabend von einem Techniker von Garmin nochmals durchgecheckt. Hier wurde bei mir Luft aufgepumpt und die Schaltung eingestellt.
In der Lobby waren wir dann alle. Die Stimmung war ausgelassen und Mike gab uns nochmals genaue Anweisungen zur Sicherheit (auf Lücke fahren, Finger immer am Bremshebel, nicht zu hart bremsen, Handzeichen usw.).
Ein Gruppenbild und wir pedalierten los.
Für Peter gab es noch 2 weitere Stopps um Gruppenbilder aufzunehmen um dann vorm Startblock auf den Einlass zu warten.
Mein Puls war hier schon so hoch das ich es fast nicht schaffte in die Pedale einzuklicken.

 

Nadin und ich im Startblock
Nadin und ich im Startblock

Im Startblock aß ich meine Banane, noch mal schnell das Dixie benutzt und dann ging es los.
Die Angst wurde beim losfahren noch größer, obwohl ich als letzte im Startblock startete. Purer Stress, Schweißausbruch und totale Handlungsunfähigkeit traten bei mir ein.
Ich trat zwar in die Pedale, aber irgendwie wurde ich nicht schneller. Ich schimpfte wie ein Rohrspatz, was auch einige Garmin Team- Mitglieder noch gehört haben, das doch hier noch ein schwererer Gang sein müsse.
Auf einmal waren alle weg und ich erkannte endlich das Problem: Der Techniker hatte meine Kette auf dem kleinen Kettenblatt stehen lassen.
Diese nutze ich so gut wie nie- und schon gar nicht in Berlin, Steigungen hatte ich bisher ja auch keine gefunden.
Also rauf aufs große Kettenblatt und ordentlich in die Pedale getreten- geht doch!
Ein paar Minuten war ich noch alleine und sah die anderen in großer Entfernung vor mir bis ich – Oh Schreck_ von den ersten der Skoda Gruppe überholt wurde. Mein Herz raste, ich war doch ganz rechts- müssen die so nah an mir vorbeiziehen? Klar müssen sie das, fand ich doch später selbst heraus wie toll ein Windschattens ein kann.
Ich fuhr unbeirrt weiter und wurde von vielen überholt, doch irgendwann kam der Punkt wo mein Gehirn allmählich anfing aus der Schockstarre aufzutauen.
Gas geben muss ich, dran bleiben will ich.
So fand ich eine kleine Gruppe aus 5 Leuten der ich mich anschloss.
Zuerst fuhr ich hinten und schaute mir das treiben so an. Zschhhhhh, die schnellsten Starter der D Gruppe kamen nun an uns vorbei- nah vorbei. Ich versuchte ruhig zu bleiben und blieb an der Gruppe dran.
Hier war mein Platz schnell klar: Auf der Geraden war ich in der Gruppe, berghoch war ich die Spitze. So hatten wir alles was davon und konnten unseren Nutzen daraus ziehen.
Irgendwann kam nach einem Kreisel eine schnellere Gruppe vorbei und ich brach aus meiner aus um hier dran zu bleiben. Gelang mir auch ganz gut, nur war mir das Gedränge hier zu groß und ich ließ mich wohl etwas zu lange ans Ende der Gruppe rollen, so war ich ganz alleine auf weiter Flur.
Das alleine fahren kostet natürlich viel Kraft und ich sah, mit einem gewissen Abstand voraus eine kleine Gruppe. Aus dem Sattel und ab dafür (bevor ich aus dem Sattel ging hab ich beim ganzen Rennen immer vorher geschaut ob jemand hinter mir ist den ich eventuell behindern würde).
Die Gruppe bekam ich mit Leichtigkeit und berghoch (naja eher Hügel hoch) war ich auch hier wieder vorne.
Diese Gruppe war groß, ich schätze 50-70 Leute waren um mich herum. Ein beklemmtes Gefühl stieg in mir hoch. Ich muss nach vorne, nach hinten, oder nach außen und zwar sofort.
Ich da weder außen noch vorne gerade Sinn machte, ließ ich mich rollen und fiel nach hinten ab.
Mit dieser Gruppe fuhr ich dann auf das gesperrte Autobahnstück auf. Zuerst war ich ganz rechts- auf der Standspur außerhalb der Gruppe, nach einer Weile wollte ich zum Erholen wieder in die Gruppe rein. Hat auch gut geklappt. Nur fuhren wir auf eine andere Gruppe vor uns auf und eine hinter uns holte uns ein. Gefühlte 200 Menschen in einen Pulk, mein Stresslevel wuchs. Ich war hypernervös, ich wollte raus aus den Gedränge. Ich fuhr auf Lücke wie Mike und Peter uns vorher angewiesen haben, Beide Hände an der Bremse um für alles bereit zu sein. Ich vernahm ein leises KLONK! und mein Hirn spielte sofort das Warnszenario ab welches im Safer Cycling Guide beschrieben wurde: Arm Hoch- ein Achtung habe ich lautstark auch mit ins Gedränge gegeben und schon flogen vor uns Räder, Sattel, Sonnenbrillen und Radfahrer durch die Luft. Vollbremsung- und ich war die erste die zum Stillstand kam ohne zu fallen, hinter mir gab es auch keine Stürze- Puh alles richtig gemacht.
Aber was vor uns lag war ein Schlachtfeld aus Rädern und blutenden Menschen. Carbonrahmen waren splittert und viele waren saßen einfach benommen auf dem Boden. Runter vom Rad, Ersthelfer Modus an. In solchen Momenten werde ich ganz ruhig. Mein Puls geht nach unten und ich selbst bin nicht mehr für mich wichtig.
Ich checkte die Lage: Wer kann aufstehen? Sind alle ansprechbar? Wie groß sind die Verletzungen? Nach einer Weile war klar: Verletzt waren irgendwie alle, viele nur Schürfwunden, aber auch welche die hart gestürzt waren und es einfach gar nicht fassen konnten. Bei fast allen war das Rad nicht mehr fahrtüchtig. Nachdem ich größere Gefahren ausschließen konnte und noch ein paar Männern aufgeholfen hatte. Wie der Sturz zu Stande kam konnte mir niemand sagen.
Von hier an war mein Kopf frei und ich radelte wild drauf los, merkte wie ich schneller wurde und die Barrikade in meinem Kopf weggerissen war. Nun lief es.
Ich startete Überholmanöver und überholte immer mehr- ich fuhr links an allen vorbei die ich kriegen konnte ohne selbst überholt zu werden.
Wow- tolles Gefühl!
Wir näherten uns dem Flughafen Tempelhof, wo es wie vorhergesagt Wind von rechts gab. Viel Wind. Eine Windböe versetzte mich in der Spur- so heftig war es zeitweise.
Ab hier folgte ich einem Mitfahrer mit GoPro am Sattel- ich hab auch immer versucht schön zu lächeln 🙂
Da tauchte Micha auf. Micha war auch in den Sturz verwickelt und gehörte auch zu den angesprochenen Verunglückten. Wir kamen ins Gespräch und die Kilometer flogen nur so dahin.

Micha und ich im Gespräch
Micha und ich im Gespräch

Dabei stellte sich heraus Micha war in Gruppe A gestartet und hatte heute kein Glück: Schlauch geplatzt und Sturz! Er beschloss bei mir zu bleiben und gab mir Windschatten.
So fuhren wir die letzten Kilometer zusammen ins Ziel und ich bedankte mich artig (wie übrigens bei allen anderen auch heute) fürs ziehen.

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Im Ziel angekommen traf ich auf Nadin, uns trennte nicht mal eine Minute Zeitabstand. Sie half mir hier durch das Wirrwarr im Ziel und dort trafen wir auch Ihren Mann wieder.
Ich brachte mein Rad in die Aufbewahrung und traf da auch Matthias, mit dem ich zur Kleiderbeutelausgabe lief. Auf dem Weg dahin sammelten wir noch Christian samt Freundin auf.
Auch die Freundin von Christian war mir sofort sympathisch. Eine tolle Frau die ich vom ersten Augenblick an mochte.
Ich versuchte hier David zu erreichen, der ging aber nicht ran. Irgendwann meldete er sich und meinte er würde am Ziel auf meine Einfahrt warten, leider zu spät.
Wir verabredeten uns am VIP-Zelt, nachdem ich Duschen war.
Die Stimmung im Duschzelt war ausgelassen, aber auch hier wurde über die vielen Stürze und Kreislaufopfer diskutiert. Das Feld war wirklich sehr aggressiv und nervös gewesen.
Bei Garmin in der Lounge war es dann richtig gemütlich. Es gab ein tolle Verpflegung und alle altbekannten und neugewonnen Freunde und Teammitglieder tauchten früher oder später auf.
Ich traf mich hier noch mit Georg, den ich ja vom StrongmanRun kannte und mit einem Arbeitskollegen aus Kiel.
Der Abschied später vom Team fiel mir schwer, und ich hoffe das wir uns alle mal wiedersehen- vielleicht auch bei einem Garmin Event?

Mein Zeit lag mit 03:23:13 h eine ganze Stunde unter dem was ich mir im Kopf ausgemalt habe und ich bin wirklich sehr glücklich darüber diese Erfahrung gemacht zu haben.
Danke hier an alle die für mich gevotet haben, die Jury und natürlich Garmin. Garmin hat mir in den letzten beiden Jahren so viel ermöglicht und mich immer wieder an meine Grenzen gebracht und diese habe ich dann immer etwas weiter nach hinten verschoben.
Mein Talent liegt ganz klar im Radfahren und dennoch freue ich mich jetzt schon auf die nächsten Lauf- und Triathlonveranstaltungen in diesem Jahr. Der Edge 810 wird mich auch nach Fuerteventura begleiten wo ich weitertrainieren werde.

Ach ja eine Kampfansage habe ich noch: Nächstes Jahr will ich wieder kommen und meine Zeit ordentlich verbessern!

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5 Kommentare zu “Garmin Velothon Berlin- ich komme wieder!

  1. Hi Carmen! Toll gemacht! Nochmal herzlichen Glückwunsch zum ersten Radrennen!
    Dass Du nach dem Sturz noch mit geholfen hast, finde ich wirklich klasse – das hätten (leider) wohl nicht viele gemacht.
    Gute Erholung und viele Grüße,
    Mary

  2. Super, wie du so klasse durchgekommen bist und bei all deinem Training, solltest du dich wirklich nicht unterschätzen. Das lief doch brillant und vor allem bist du gesund ins Ziel gekommen. Die Zeit ist dann sozusagen der i-Punkt.

    Es war wie immer super schön, dich auch mal wieder treffen zu können. Freue mich schon auf das nächste Mal.

    • Wie lieb von Dir, Dankeschön – wäre ich am Anfang nicht so völlig neben mir gestanden hätten wir zusammen fahren können.
      Nächstes Jahr dann 🙂

  3. Cool! Respekt und herzlichen Glückwunsch!!! Ich würde schon aus Angst vor einem Sturz an solch‘ einem Rennen nicht teilnehmen 🙂 Bleibe lieber beim Laufen, wo nicht soviel passieren kann 😉

  4. Pingback: 2013: Vorbei und Unvergessen! | schlechteswettergibtesnicht

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